Wie tauchen eigentlich immer die neuesten – noch inoffiziellen – BlackBerry Firmware Versionen so schnell im Internet auf? Diese Frage haben sich sicherlich schon einige – inklusive mir – gestellt. Heute hatte ich dazu eine interessante Diskussion mit Benedict.
Halten wir uns an die Fakten:
Das BlackBerry Storm kam Ende letzten Jahres auf den Markt. Bereits Monate vorher waren unzählige Produktbilder, technische Daten und teilweise sogar ganze Geräte im Internet zu bestaunen. Sowohl der Hersteller als auch die Mobilfunkbetreiber hatten zu diesem Zeitpunkt noch kein offizielles Statement dazu abgegeben, von Werbeschaltungen (Online, Print, Hörfunk, TV) ganz abgesehen.
Das gleiche Spiel lässt sich auch auf die BlackBerry Firmware-Versionen projezieren. Die von RIM freigegebenen Firmware-Versionen haben teilweise historisch alte Versionsstände – am Beispiel des BlackBerry Storm ist bis dato die 4.7.0.78 die aktuellste offizielle Firmware. Zwischenzeitlich erfreuen sich aber tausende BlackBerry Storm Benutzer an den “Leaked” (durchgesickerten) Storm Firmware Versionen 4.7.0.83, 4.7.0.85, 4.7.0.87, 4.7.0.88 und 4.7.0.90. All diese Versionen waren innerhalb kürzester Zeit im Netz verfügbar und wurden von vielen BlackBerry Storm Anwendern genutzt – obgleich RIM und die Mobilfunkanbieter stets darauf hinweisen, dass durch die Installation nicht freigegebener Firmware-Versionen u.U. die Garantie für das Gerät erlöschen kann.
Meine gleich folgende Theorie wird unter Anderem durch die Aussage von Jim Balsillie / RIM untermauert:
Nach Ansicht von Jim Balsillie, Ko-Chef des Blackberry-Herstellers Research in Motion (RIM), müssen sich die Kunden bei modernen Smartphones an unreife Software gewöhnen. Sie sei bei der Produktion von komplexen Mobiltelefonen Teil der “neuen Realität”, sagte er angesprochen auf Probleme mit dem neuen RIM-Modell Storm dem Wall Street Journal. [Ganzen heise.de-Artikel lesen]
Wenn Research in Motion offen zugibt, Smartphones eventuell mit nicht komplett ausgereifter Software an die Kunden auszuliefern, liegt da nicht der Verdacht nahe, dass die testfreudigen Kunden hinter vorgehaltener Hand bei RIM gerngesehene Beta-Tester sind? Was könnte RIM besseres passieren als geschätzte 50.000 BlackBerry Storm User weltweit, die eine neue Firmware ausprobieren, bevor der Hersteller sein offizielles “GO” gibt?
Natürlich kann ich diese Theorie nicht beweisen, überdies kann man die Fakten sowohl positiv als auch negativ bewerten. Natürlich wäre es jedem Anwender am liebsten, gleich von Beginn an eine 100% ausgereifte und fehlerfreie Software im BlackBerry zu haben. Durch diese von mir spekulative “Fishing for betatesters” Theorie hat der Endanwender jedoch ganz andere Möglichkeiten, seine persönlichen Anforderungen an das Smartphone indirekt an den Hersteller weiterzuleiten.
Angenommen die obigen Ausführungen sind tatsächlich eine Taktik von RIM, so kann man davon ausgehen dass in den entsprechenden Foren und Weblogs auch die Anwenderreaktionen genauestens studiert und analysiert werden. So ist es durchaus vorstellbar, dass individuelle Feature Requests von Benutzern, sofern in entsprechender Menge vorhanden, von RIM in einer der nächsten Firmware-Versionen implementiert werden.
Letztendlich wissen wir alle nicht, wie es wirklich ist. Vielleicht sitzt tatsächlich ein bisher unentdeckter Maulwurf bei RIM, der sich diebisch darüber freut dass er wieder ein inoffizielles Firmware-Release ins Netz stellen kann.
Dass RIM allerdings der Meister in Sachen Product Placement und Priceless Marketing ist, hat der BlackBerry Hype um Barack Obama sicherlich bewiesen!
Mich interessiert Ihre Meinung zum Thema, schreiben Sie mir in den Kommentaren!

