Gastbeitrag: LittleBrother for BlackBerry
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Wie im letzten Artikel “Gast-Reviews” angekündigt legen wir ab heute damit los, immer mal wieder Gastbeiträge von Blogberry-Lesern hier zu veröffentlichen. Darin werden entweder BlackBerry Apps, Geräte oder Zubehör objektiv und ehrlich getestet. Den Anfang macht Michael Schaaf, er hat sich die App “LittleBrother” von emacberry.com näher angesehen.
Eine neue interessante BlackBerry-Applikation von emacberry.com: LittleBrother.
Sinn und Zweck der App in Kurzfassung: Wo auf der Welt befindet sich der Besitzer/Benutzer eines BlackBerry gerade? Dritte wissen lassen, wenn sich ein BlackBerry aus Funkzellen heraus- und wieder hineinbewegt. Die App kann in diesen Fällen SMSe und/oder eMails verschicken.
Wie arbeitet diese Application?
Ganz einfach: Da sie als einen einzigartigen Wettbewerbsvorteil verkauft, dass sie „zero-power-consuming“ arbeitet (also (fast) keinen Strom verbraucht, kann und will sie nicht mit GPS arbeiten, weil der Betrieb der BlackBerry-Antenne viel Strom verbraucht. Die Anwendung fängt „CellTower Locations“ ab, also IDs von Sendetürmen, von denen man also weiß, wo genau sie sich auf der Landkarte befinden, und arbeitet mit diesen Informationen. Das heisst im Klartext, dass die Lokalisierung eines BlackBerry sich völlig auf den Funkbereich eines CellTowers beschränkt, also auf den Funkbereich eines Sendeturms. Je nachdem, wie groß diese Bereiche in der Praxis sind, ergibt sich daraus also der mehr oder weniger hohe Grad an Präzision, mit dem diese Lokalisierung also arbeitet und nur arbeiten kann. Nach Herstellerangaben ergibt sich also aus der Dichte der Sendetürme eine Genauigkeit der möglichen Lokalisierung „zwischen 500 Metern“ (Anmerkung: Eher in Großstädten mit relativ eng beieinanderliegenden Funkzellen) und „25 Kilometern oder mehr“ (Anmerkung: Also eher außerhalb von Großstädten).
Für wen ist diese Anwendung interessant?
Der Hersteller schreibt: „Automatically inform friends and family members when you are around – so they can be prepared when you arrive“, also “Informiere Freunde und Familienmitglieder automatisch, wenn Du vorbeikommst – so dass sie vorbereitet sein können, wenn Du eintriffst” und “Let your loved ones know, that you are coming home soon”, also “Lass Deine Liebsten wissen, dass Du bald nach Hause kommst“ und “Keep notified if your children are leaving the area”, also “Lass Dich unterrichten, wenn Deine Kinder ein bestimmtes Gebiet verlassen”.
So anmutig und ehrenvoll und bedeutsam die dahintersteckenden Ideen hier sind: Diese Informationen sind nun strenggenommen genauso präzise wie die Tageszeitangaben Vormittag, Nachmittag, Abend und Nacht. Selbst wenn also jemand hier für sich einen Sinn und eine Bedeutung sieht: Was bringen diese unterschiedlich großen Zellen denn in der Praxis? Wenig wirklich brauchbare Aussagen. Denn wenn ich in einer Großstadt nach Hause fahre oder dort ankomme: Dann habe ich doch garantiert schon ein kurzes Telefonat mit den „loved ones“ geführt nach dem Motto „bin gleich da, was machen wir noch Schönes zusammen?“. Welchen zusätzlichen Informationsgehalt dann eine SMS mit dem Hinweis „er ist nur noch 500 Meter entfernt“ haben soll, entzieht sich dem praktischen Verständnis. Wenn ein Vielreisender seiner Liebsten zu Hause oder seinem Chef im Büro jeweils beim Wechseln eines Funkzellenbereiches signalisieren bin „ich bin fleissig im Auto unterwegs, heute früh Dortmund, jetzt Düsseldorf, heute Abend Bonn“, dann mag das interessant sein, aber die damit beim Empfänger der SMSe oder der eMails auftretende Informationsflut in diesem Beispiel gleicht der von Spams. Zumal man sich ja auch damit zufriedengeben muss, dass es mal „nur“ 500 Meter Genauigkeit sind, aber auch mal 25 Kilometer oder mehr sein können. Also eher etwas für die große Deutschland- (oder Welt-) karte an der Wand und den breiten Daumen, aber nicht für eine auf einen Nadelpunkt zu bringende Ortsangabe.
Wer mit einem Handy und einer solchen Applikation den Aufenthaltsort seiner Kinder mehr oder weniger sicher überwachen will: Was nützen ihm da in einer Großstadt 500 Meter Zellenradius? Das sind womöglich 18 Querstraßen und 1.200 Häuser und Wohnungen und 87 Kneipen und Bars. Was man dann mit der groben Angabe „Kinder sind gerade vom Funkbereich Frankfurt-Nordend in den Funkbereich Frankfurt-Bornheim abgewandert“ anfangen soll, ist dem Schreiber ein Rätsel. Ok: Man weiß, dass sie noch irgendwo in Frankfurt sind, gut. Aber dann in ländlicheren Gebieten: Was kann man mit der groben Angabe „Kinder sind gerade vom Funkbereich Meschede in den ca. 25 Kilometer entfernten Funkbereich Winterberg abgewandert“ wirklich anfangen? Ok: Man weiß, sie sind noch irgendwo im Sauerland.
Fazit:
Wer mit diesen Informationen unter dem Aspekt, dass das auf seinem BlackBerry fast keinen Strom verbraucht, zufrieden ist oder sogar Gefallen daran findet: Für den ist die Applikation ein echter Gewinn. Denn die technologische Idee dahinter ist so verblüffend einfach wie gut: Wenn der Einsatz der GPS-Antenne unerwünscht viel Strom verbraucht (wobei die Ortsangaben dann ja immerhin auf fünf bis zehn Meter genau werden), was kann man sonst anbieten? Die Lokation der Funkzellen, also der Sendetürme. Soweit ist dies beeindruckend und hervorragend gelöst. Wer jedoch genauere Standortinformationen benötigt, als „nur mit dem Finger auf die Landkarte zu tippen“, der hat nichts von der Applikation und kann sich den Einsatz sparen.“
Über den Autor: Michael Schaaf ist seit über dreissig Jahren erfahren im Bereich der Informationstechnologie und Telekommunikation, auch als unabhängiger Sachverständiger. Neben der Mitarbeit in anspruchsvollen Projekten bei KMU und großen Konzernen erstellt er Tests und Reviews und Gutachten für unabhängige Publikationen im Print- und Onlinebereich.
Weitere Informationen zu LittleBrother für BlackBerry + Download: LittleBrother Homepage
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Dienstag, 20. Juli 2010 15:08
Auch wenn die App selbst angeblich wenig Strom verbraucht, so möchte ich doch die monatliche Providerrechnung für die SMS-Menge lieber nicht sehen – geschweige den bezahlen!
Hier müsste es, gerade durch die Push-Möglichkeiten, bessere und kostenlose Möglichkeiten der Information geben.
Dienstag, 20. Juli 2010 15:10
Nachtrag: O.K., mittels SMS ginge das kostenlos, hab ich nicht berücksichtigt. Aber trotzdem, da läuft wirklich jede Mailbox über.
Dienstag, 20. Juli 2010 15:11
Nachtrag 2: Blöde Hitze
, natürlich ging das mittels E-MAIL kostenlos.
Dienstag, 20. Juli 2010 23:07
Das gleiche geht mit Google Maps und Latitude auch. Großer Vorteil, man sieht es auf der Karte sehr aktuell mit der Einkreisung der Genauigkeit.
Hinzukommt ich hab gleich eine Kartendarstellung mit allen Freunden.
Mittwoch, 21. Juli 2010 11:46
Frage:
Können wir die “Gastbeiträge” nicht in einer extra Rubrik legen?
Denn der mega Text macht die Startseite für die wirklich wichtigen RIM Infos unübersichtlich. Bin ja nur noch am blättern.
Danke
Mittwoch, 21. Juli 2010 12:24
@Michael:
Berechtigter Einwand. Ich werde das zukünftig mit einem “more”-Tag lösen, sodaß quasi nur die Einleitung angezeigt wird, und durch einen Klick auf “mehr” landet man im kompletten Artikel.
Damit sind die Gastbeiträge trotzdem präsent, aber es wirkt nicht zu überladen. Lässt sich damit leben?
Schöne Grüße,
Sascha
Mittwoch, 21. Juli 2010 17:08
Super Sasche,
so passt scho.
Dann kanns Annafest kommen!